
Hinweis zur Benennung: Dieses Thema lässt sich auch unter „Word-Add-in“, „Word-KI-Integration“, „Word-Copilot“ oder schlicht „Der KI-Assistent direkt in Word“ fassen. Im Folgenden wird einheitlich von „Word-Plugin“ gesprochen. Gemeint sind stets KI-gestützte Erweiterungen für Microsoft Word, die über ein Chatfenster oder eine Seitenleiste direkt in der Word-Umgebung verfügbar sind.
Die bisherigen „Prompts des Monats“ haben KI-gestützte Werkzeuge vorgestellt, die in einem Chatfenster arbeiten – man lädt Dokumente hoch, gibt einen Prompt ein und erhält das Ergebnis als Download oder als Text im Chat. Das funktioniert, erfordert aber einen Medienwechsel: Man verlässt die vertraute Word-Umgebung, wechselt in den Browser, lädt Dateien hoch, kopiert Ergebnisse zurück. Für viele Anwältinnen und Anwälte, die den gesamten Arbeitstag in Microsoft Word verbringen, ist das ein unnötiger Bruch im Workflow.
Genau hier setzen die KI-Word-Plugins an. Die Denkweise ist bestechend einfach: Anwältinnen und Anwälte hängen sowieso den ganzen Tag vor Word herum – warum holt man sie nicht genau dort ab? Statt Dokumente in einen externen Chatbot hochzuladen, öffnet man ein Chatfenster direkt in Word – typischerweise als Seitenleiste rechts neben dem Dokument – und gibt dort Anweisungen, die das KI-System unmittelbar im geöffneten Dokument umsetzt. Die Änderungen erscheinen direkt im Text, idealerweise im Änderungsmodus mit Änderungskennung (Track Changes), sodass man jeden einzelnen Vorschlag annehmen oder ablehnen kann.
Mittlerweile gibt es mehrere Anbieter, die solche Word-Plugins speziell für den Rechtsmarkt entwickelt haben – darunter deutsche Anbieter mit spezifischen Lösungen für die Bedürfnisse deutscher Anwälte und Rechtsabteilungen.
Die bekanntesten sind derzeit:
- Libra: Bietet neben dem Word-Plugin auch Zugang zu juristischen Inhalten und Datenbanken, die direkt im Plugin verarbeitet werden können. Speziell für den deutschen Rechtsmarkt entwickelt.
- Beamon: Verbindet das Word-Plugin mit juristischen Fachinhalten und ermöglicht die Verarbeitung rechtlicher Quellen direkt in der Word-Umgebung. Fokus auf den deutschen Rechtsmarkt.
- Prime Legal AI: Bietet ebenfalls eine Kombination aus Word-Plugin und juristischen Inhalten für die anwaltliche Dokumentenbearbeitung. Auf den Rechtsmarkt spezialisiert.
- Noxtua: Deutscher Anbieter, der neben dem KI-Word-Plugin auch juristische Fachinhalte bereitstellt, die mit dem Plugin verarbeitet werden können. Ebenfalls auf den Rechtsmarkt ausgerichtet.
Allen vier vorgenannten Anbietern ist gemeinsam, dass sie nicht nur ein Word-Plugin anbieten, sondern auch juristische Inhalte – Rechtsprechungsdatenbanken, Gesetzestexte, Fachliteratur –, die mit dem jeweiligen Plugin auf unterschiedliche Art und Weise verarbeitet werden können. Sie sind sämtlich auf den Rechtsmarkt spezialisiert und verstehen die spezifischen Anforderungen deutscher Anwälte und Rechtsabteilungen.
- Claude für Word (Anthropic): Das Plugin von Anthropic für Microsoft Word, das Claude direkt in die Word-Umgebung bringt. Besonderheit: Claude für Word verfolgt den Ansatz, nicht nur Textänderungen vorzunehmen, sondern auch Gliederungsebenen zu erkennen und automatische Gliederungen zu erstellen bzw. anzupassen. Diese Funktionalität ist derzeit noch langsam, funktioniert aber bereits und dürfte sich weiter verbessern. Es ist zu erwarten, dass andere Anbieter diesen Ansatz der automatischen Gliederungserkennung und -erstellung übernehmen werden. Unterschied und Schwäche gegenüber den vorgenannten Anbietern: Claude für Word hat keinen Fokus auf juristische Fachinhalte – es bringt kein eigenes juristisches Content-Angebot mit. Die Stärke von Claude liegt in der allgemeinen Sprachverarbeitung und der Gliederungserkennung, nicht in der Integration rechtsspezifischer Datenbanken.
Allen diesen Plugins ist gemeinsam, dass sie Änderungen im Änderungsmodus (Track Changes) vornehmen können – und genau das macht sie für die anwaltliche Praxis so wertvoll. Man sieht auf einen Blick, was die KI geändert hat, und behält die volle Kontrolle über das Dokument.
Das Besondere: Word als Arbeitsumgebung ernst nehmen
Der entscheidende Vorteil der Word-Plugins gegenüber chatbasierten KI-Lösungen liegt nicht primär in der Technologie – die zugrunde liegenden Sprachmodelle sind oft dieselben –, sondern in der Arbeitsweise. Wer in Word arbeitet, arbeitet in seiner vertrauten Umgebung: mit seinen eigenen Vorlagen, seinen eigenen Formatierungen, seinen eigenen Dokumentenstrukturen. Man muss nichts hochladen, nichts herunterladen, nichts kopieren. Das Dokument bleibt, wo es ist – auf dem eigenen Rechner, in der eigenen Kanzleiinfrastruktur –, und die KI kommt zum Dokument, nicht umgekehrt.
Dies hat mehrere praktische Konsequenzen:
- Eigene Vorlagen bleiben erhalten: Man arbeitet in den Word-Vorlagen der eigenen Kanzlei oder Rechtsabteilung – mit Briefkopf, Formatierung, Schriftart und Dokumentenstruktur, die man kennt und die dem Corporate Design entsprechen. Die KI ändert den Inhalt, nicht das Format.
- Kein Medienwechsel: Man muss nicht zwischen Browser und Word hin- und herwechseln. Die Anweisung an die KI erfolgt im Chatfenster rechts, die Umsetzung erscheint sofort im Dokument links.
- Unmittelbare Kontrolle: Jede Änderung ist sofort sichtbar, im vertrauten Track-Changes-Format, und kann einzeln angenommen oder abgelehnt werden – genau wie bei der Zusammenarbeit mit einem menschlichen Kollegen.
- Dokumentenkontext im Chatfenster: Bei vielen dieser Word-Plugins kann man zusätzliche Dokumente in das Kontextfenster hinzufügen – beliebiger Art: Word-Dokumente, PDFs, Excel-Tabellen, E-Mails oder einfach Text. Man kann dem System dann sagen: „Berücksichtige diese beiden Dokumente und füge die relevanten Inhalte in mein aktuelles Dokument ein.“ Das eröffnet mächtige Arbeitsabläufe: Man hat ein Word-Dokument und möchte Anpassungen vornehmen, die sich inhaltlich oder strukturell aus ein oder zwei anderen Dokumenten ergeben – man fügt diese einfach hinzu und das System arbeitet die relevanten Inhalte ein, sichtbar im Änderungsmodus.
Was man mit einem Word-Plugin konkret tun kann
Die Einsatzmöglichkeiten der Word-Plugins gehen weit über das hinaus, was man mit einer herkömmlichen Rechtschreib- und Grammatikprüfung erreichen kann – obwohl sie das natürlich auch können. Viele Anwender schätzen diese Tools mittlerweile als deutlich mächtigere Alternative zur klassischen Textverarbeitung.
Hier die wichtigsten Anwendungsfälle:
1) Terminologie im gesamten Dokument aktualisieren
Ein häufiger Anwendungsfall:
Ein Begriff wird im Dokument unterschiedlich verwendet – mal „Auftraggeber“, mal „Auftraggeberin“, mal „der Auftraggeber“, mal „die Auftraggeberin“, in verschiedenen grammatikalischen Fällen und Kontexten. Mit einem einfachen „Suchen und Ersetzen“ kommt man hier nicht weiter, weil die Ersetzung kontextabhängig erfolgen muss – Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, bestimmter und unbestimmter Artikel, Singular und Plural müssen jeweils korrekt angepasst werden.
Ein KI-Word-Plugin kann das:
Man gibt die Anweisung „Ersetze im gesamten Dokument ‚Auftraggeber‛ durch ‚Besteller‛ in allen grammatikalischen Formen“ und das System nimmt die kontextsensitive Ersetzung vor – im Änderungsmodus, sodass man jede einzelne Stelle kontrollieren kann.
2) Gesetzesänderungen und Aktualisierungen prüfen
Man kann das Word-Plugin anweisen:
„Prüfe, ob die im Dokument zitierten Normen noch aktuell sind und ob es seit der letzten Überarbeitung Gesetzesänderungen gab.“
Hier ist allerdings Vorsicht geboten:
Die Zuverlässigkeit dieser Funktion hängt entscheidend davon ab, ob das jeweilige Plugin über eine Internetsuche oder einen juristischen Datenbankanschluss verfügt. Bei manchen Plugins ist das bereits der Fall, bei anderen nicht – das muss man individuell prüfen. Wo eine Websuche oder Datenbankanbindung vorhanden ist, kann das System tatsächlich aktuelle Gesetzesstände abgleichen; wo nicht, arbeitet das System nur mit seinem Trainingswissen, das veraltet sein kann. Man kann sich hier also nicht blind verlassen, aber als erster Hinweis auf möglichen Aktualisierungsbedarf ist es dennoch äußerst nützlich.
3) Kohärenzprüfung
Eine besonders wertvolle Funktion:
„Prüfe, ob das Dokument in sich kohärent ist – werden Begriffe einheitlich verwendet? Gibt es Widersprüche zwischen verschiedenen Abschnitten? Stimmen Querverweise? Sind Definitionen konsistent?“ Das System liest das gesamte Dokument und identifiziert Inkonsistenzen, die bei der manuellen Durchsicht leicht übersehen werden. Bei Bedarf nimmt es auch gleich Änderungen vor – natürlich im Änderungsmodus.
4) Inhalte aus anderen Dokumenten einarbeiten
Wie oben beschrieben, kann man bei vielen Word-Plugins weitere Dokumente in das Kontextfenster laden.
Der praktische Nutzen ist enorm:
Man hat beispielsweise einen Vertragsentwurf und zwei Memoranden mit Änderungswünschen verschiedener Beteiligter. Man lädt alle drei Dokumente und weist das System an: „Arbeite die Änderungen aus den beiden Memoranden in den Vertragsentwurf ein.“ Die Änderungen erscheinen im Track-Changes-Modus und können einzeln geprüft werden.
5) Funktionale Vorgaben in Vertragssprache umsetzen
Ein besonders eleganter Anwendungsfall:
Nach einem Meeting, einer Verhandlung oder einer internen Besprechung hat man häufig funktionale Vorgaben – etwa eine Notiz wie „Wir brauchen noch eine Regelung zur Haftungsbegrenzung, außerdem muss die Kündigungsfrist verlängert werden und es fehlt eine Klausel zur Vertraulichkeit der Verhandlungsergebnisse.“ Diese Vorgaben sind inhaltlich-wirtschaftlich formuliert, nicht in Vertragssprache.
Normalerweise muss man sich dann überlegen:
Wo genau füge ich diese Regelungen im Dokument ein? Und in welcher sprachlichen Form – passend zum Stil und zur Terminologie des vorhandenen Vertragstextes?
Ein KI-Word-Plugin kann genau das:
Es versteht die inhaltliche, wirtschaftlich-juristische Beschreibung und setzt sie in die Sprache des jeweiligen Word-Dokuments um. Das System erkennt den Sprachstil, die Terminologie und die Struktur des vorhandenen Textes und fügt die neuen Regelungen an der systematisch richtigen Stelle ein – formuliert im Duktus des Dokuments, nicht im Stil der Besprechungsnotiz. Und das Schöne: Man sieht das alles in der Änderungskennung. Man sieht also nicht nur, was eingefügt wurde, sondern auch, was nicht geändert worden ist. So kann man auf einen Blick prüfen, ob die Einfügungen passen, ob sie an der richtigen Stelle stehen und ob die Formulierung dem eigenen Anspruch genügt.
6) Geschlechtergerechte Sprache – leicht gemacht
Ein kleiner, aber in der Praxis überraschend häufig nachgefragter Bonustipp:
Manche Mandanten verlangen, dass Texte in geschlechtergerechter Sprache verfasst werden – entweder so, wie es der Duden vorsieht, oder mit Gender-Doppelpunkt oder Gender-Stern. Mit einem KI-Word-Plugin lässt sich geschlechtergerechte Sprache nun auch wirklich leicht im Dokument einsetzen, wenn man das denn möchte. Andere Mandanten schätzen das wiederum nicht und möchten lieber das generische Maskulinum in ihren Texten, aus welchen Gründen auch immer. Auch das lässt sich mit dem Plugin schnell umsetzen – die Rücküberführung in das generische Maskulinum funktioniert genauso zuverlässig. Beides ist mit herkömmlichem „Suchen und Ersetzen“ außerordentlich hakelig umzusetzen, weil die Anpassung kontextabhängig erfolgen muss – „Anwälte“ wird zu „Anwältinnen und Anwälte“ oder zu „Anwält:innen“, „der Rechtsanwalt“ wird zu „die Rechtsanwältin bzw. der Rechtsanwalt“ – und umgekehrt. Ein KI-Word-Plugin kann das in beiden Richtungen zuverlässig und schnell umsetzen, im Änderungsmodus. Mehr Wahlfreiheit bei der Textgestaltung, ohne mühsame manuelle Arbeit.
7) Kommentarfunktion: Kritik und Erläuterung
Eine neuere und besonders interessante Entwicklung:
Einige Word-Plugins können mittlerweile nicht nur den Text verändern, sondern auch Word-Kommentare setzen. Das ermöglicht einen besonders eleganten Workflow: Man kann dem System etwa sagen: „Kritisiere den Entwurf der Gegenseite, nimm Änderungen vor und erläutere jede Änderung in einem Kommentar.“ Das Ergebnis ist ein Dokument mit Track Changes und ergänzenden Kommentaren, die die Begründung für jede Änderung dokumentieren – äußerst hilfreich für die interne Dokumentation und die Kommunikation im Team.
Ein kleiner Schönheitsfehler sei erwähnt:
Da die KI die Kommentare sehr schnell hintereinander generiert, tragen sie Zeitstempel, die nur wenige Minuten auseinander liegen – bei zehn oder mehr Kommentaren in einem umfangreichen Dokument kann das auf den ersten Blick etwas auffällig wirken. Inhaltlich ist das irrelevant, aber es sei der Vollständigkeit halber erwähnt.
8) Automatische Gliederung und Gliederungsebenen
Das Claude-Plugin von Anthropic verfolgt den innovativen Ansatz, auch Gliederungsebenen zu erkennen und automatische Gliederungen zu erstellen bzw. anzupassen. Wenn ein Dokument keine saubere Gliederungsstruktur hat oder die vorhandene Gliederung inkonsistent ist, kann das System Gliederungsüberschriften vorschlagen, Ebenen korrigieren und eine konsistente Dokumentenstruktur herstellen. Diese Funktionalität ist derzeit noch langsam in der Ausführung, funktioniert aber bereits und wird sich mit zunehmender Rechenleistung und Modelloptimierung weiter verbessern. Es ist davon auszugehen, dass andere Anbieter diesen Ansatz der automatischen Gliederungserkennung und -erstellung ebenfalls übernehmen werden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
9) Automatischer Änderungsmodus: Erst alles ändern, dann prüfen
Ein besonders aufregender Aspekt der Word-Plugins ist die Möglichkeit, die Änderungen in der Änderungskennung auf „automatisch“ zu setzen.
Das bedeutet:
Man muss nicht bei jeder einzelnen Änderung abwarten und zustimmen, sondern das Word-Plugin arbeitet die beauftragten Änderungen im Hintergrund vollständig durch und setzt sie ein – alles sichtbar im Änderungsmodus. Man kann anschließend in Ruhe das gesamte Ergebnis prüfen und jede einzelne Änderung annehmen oder ablehnen.
Allerdings ist hierbei Vorsicht geboten:
Gelegentlich wird im automatischen Modus zu viel geändert – ganze Sätze oder Absätze werden gelöscht und neu formuliert, was die Übersichtlichkeit der Änderungskennung erheblich erschwert. Es empfiehlt sich daher, das System zur Behutsamkeit anzuweisen: „Ändere nur wenige Wörter oder Satzbestandteile, damit ich leicht sehen kann, was geändert worden ist.“ Dieser chirurgische Eingriff – wenige, präzise Änderungen statt flächendeckender Umformulierungen – ist häufig ohnehin der bessere Ansatz: Die Änderungen sind auf einen Blick erfassbar, die Prüfung ist schneller und sicherer, und der ursprüngliche Text des Verfassers bleibt weitgehend erhalten.
Wichtiger Hinweis: Internetsuche und Datenbankzugang
Nicht alle Word-Plugins verfügen über eine Internetsuche oder einen juristischen Datenbankanschluss.
Das bedeutet:
Wenn man das Plugin anweist, „aktuelle Rechtsprechung zu ergänzen“ oder „Gesetzesänderungen zu prüfen“, hängt die Zuverlässigkeit der Ergebnisse entscheidend davon ab, ob das System tatsächlich auf aktuelle Quellen zugreifen kann oder nur mit seinem Trainingswissen arbeitet. Bei manchen Plugins ist ein Datenbankanschluss oder eine Websuche bereits integriert, bei anderen nicht – das muss man beim jeweiligen Anbieter individuell prüfen.
Grundsätzlich gilt:
Für die reine Textbearbeitung – Terminologieänderungen, Kohärenzprüfung, geschlechtergerechte Sprache, Formulierungsverbesserungen – ist kein Datenbankzugang erforderlich, da das System mit dem vorhandenen Dokumententext arbeitet. Für die Ergänzung von Fundstellen, die Prüfung von Gesetzesständen oder die Recherche aktueller Rechtsprechung hingegen ist ein Datenbankanschluss oder eine Websuche wesentlich, um zuverlässige Ergebnisse zu erzielen.
Datenschutz und Berufsrecht
Ein Punkt, der bei Word-Plugins besonders beachtet werden muss:
Die Dokumente, an denen man in Word arbeitet, enthalten regelmäßig mandatsbezogene, vertrauliche Informationen. Die Nutzung eines KI-Word-Plugins ist daher nur zulässig, wenn der Anbieter die datenschutzrechtlichen Anforderungen der DSGVO erfüllt, den strafrechtlichen Schutz des Anwaltsgeheimnisses nach § 203 StGB gewährleistet und die berufsrechtlichen Anforderungen der §§ 43a, 43e BRAO erfüllt. Erfreulicherweise haben die genannten Anbieter diese Anforderungen erkannt und bieten entsprechende vertragliche Zusicherungen an – dennoch muss jede Kanzlei und jede Rechtsabteilung die konkrete Umsetzung beim jeweiligen Anbieter eigenständig prüfen.
Letztendlich ist es bei Beachtung des Datenschutzes und der berufsrechtlichen Anforderungen datenschutzrechtskonform, ein solches Word-Plugin einzusetzen – es gelten die gleichen Maßstäbe wie bei der Nutzung anderer KI-Werkzeuge in der anwaltlichen Praxis.
Praxisnutzen
Die Word-Plugins eignen sich besonders für folgende Szenarien:
Primäre Anwendungsfälle:
- Schnelle Terminologieanpassung in umfangreichen Dokumenten mit kontextsensitiver Ersetzung in allen grammatikalischen Formen
- Kohärenzprüfung und Widerspruchserkennung in komplexen Verträgen und Schriftsätzen
- Einarbeitung von Inhalten aus mehreren Quelldokumenten in ein Zieldokument
- Überprüfung und Aktualisierung von Gesetzesverweisen (bei Plugins mit Datenbankanschluss)
- Umsetzung geschlechtergerechter Sprache oder Rücküberführung in das generische Maskulinum auf Mandantenwunsch
- Überarbeitung von Gegenentwürfen mit kommentierten Änderungen
- Sprachliche Überarbeitung und Formulierungsverbesserung – weit über die Möglichkeiten herkömmlicher Grammatikprüfungen hinaus
- Automatische Gliederungserstellung und -korrektur (derzeit v.a. Claude für Word)
Konkrete Vorteile gegenüber chatbasierten Lösungen:
- Kein Medienwechsel – man bleibt in der vertrauten Word-Umgebung
- Eigene Vorlagen und Formatierungen bleiben vollständig erhalten
- Alle Änderungen im Track-Changes-Modus – volle Kontrolle über jede einzelne Änderung
- Zusätzliche Dokumente können direkt im Kontextfenster bereitgestellt werden
- Kommentarfunktion für dokumentierte Begründungen der Änderungen
- Nahtlose Integration in bestehende Kanzlei-Workflows
Variationen und Erweiterungen
- Vertragsprüfung: Überprüfung eines Vertragsentwurfs der Gegenseite direkt in Word mit kommentierten Änderungsvorschlägen
- Schriftsatzoptimierung: Verbesserung von Schriftsätzen und Memoranden direkt in der Word-Umgebung (vergleiche den „Schriftsatz-Aufmotzer“)
- Mandantenkorrespondenz: Schnelle sprachliche Überarbeitung und Anpassung von Mandantenschreiben an den gewünschten Ton und Stil
- Mehrsprachige Bearbeitung: Übersetzung und sprachliche Anpassung von Dokumenten, die in mehreren Sprachen vorliegen müssen
- Dokumentenvergleich: Vergleich zweier Fassungen eines Dokuments mit strukturierter Darstellung der Unterschiede
- Due-Diligence-Unterstützung: Schnelle Durchsicht und Kommentierung umfangreicher Dokumente im Rahmen von M&A-Transaktionen
Technische Hinweise
Systemvoraussetzungen:
Die Word-Plugins erfordern in der Regel Microsoft Word (Desktop-Version für Windows oder macOS). Manche Plugins unterstützen auch Word Online, die meisten sind jedoch für die Desktop-Version optimiert. Die Kontextfenstergröße – also die Menge an Text und zusätzlichen Dokumenten, die das System gleichzeitig verarbeiten kann – variiert je nach Anbieter und verwendetem Sprachmodell. Bei besonders umfangreichen Dokumenten kann es erforderlich sein, abschnittsweise zu arbeiten.
OCR-Hinweis:
Wenn zusätzliche Dokumente in das Kontextfenster geladen werden, gilt auch hier: Gescannte Dokumente müssen mit Texterkennung (OCR) bearbeitet sein, damit das System den Inhalt lesen kann. PDF-Dateien mit eingebettetem Text funktionieren in der Regel problemlos.
Fazit
Die KI-Word-Plugins markieren einen wichtigen Schritt in der Entwicklung KI-gestützter anwaltlicher Werkzeuge:
Sie bringen die KI dorthin, wo die Arbeit tatsächlich stattfindet – in Microsoft Word. Statt Dokumente in externe Systeme hochzuladen und Ergebnisse zurückzukopieren, arbeitet man direkt im geöffneten Dokument, mit eigenen Vorlagen, im vertrauten Änderungsmodus.
Das ist nicht nur bequemer, sondern auch effizienter:
Der Medienwechsel entfällt, die Kontrolle über das Dokument bleibt jederzeit beim Anwalt, und die Möglichkeit, zusätzliche Dokumente in das Kontextfenster zu laden, eröffnet mächtige Arbeitsabläufe.
Besonders die Fähigkeit, Änderungen im Track-Changes-Modus vorzunehmen und zusätzlich Kommentare zu setzen, entspricht exakt der Art und Weise, wie Anwälte ohnehin zusammenarbeiten – nur eben mit einer KI als zusätzlichem „Kollegen“ in der Seitenleiste. Von der kontextsensitiven Terminologieänderung über die Kohärenzprüfung bis hin zur geschlechtergerechten Sprache – die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und gehen weit über das hinaus, was herkömmliche Textverarbeitungsfunktionen bieten.
WICHTIGER HINWEIS VOR DER NUTZUNG
Auch für Word-Plugins gilt uneingeschränkt:
- Jede Änderung prüfen: Alle vom System vorgenommenen Änderungen müssen vom bearbeitenden Rechtsanwalt einzeln auf Richtigkeit geprüft werden. Der Änderungsmodus erleichtert dies erheblich – er ersetzt die Prüfung aber nicht.
- Fundstellen verifizieren: Wenn das System Fundstellen ergänzt oder Gesetzesverweise aktualisiert, müssen diese anhand der Originalquellen überprüft werden. Auch Word-Plugins sind nicht frei von Halluzinationen.
- Datenschutz beachten: Vor dem Einsatz muss geprüft werden, ob der Anbieter die Anforderungen der DSGVO, des § 203 StGB und der §§ 43a, 43e BRAO erfüllt. Solche Angebote existieren am Markt.
- Internetsuche prüfen: Ob das jeweilige Plugin über eine Websuche oder einen juristischen Datenbankanschluss verfügt, muss beim Anbieter individuell geprüft werden. Ohne Datenbankanschluss sind Fundstellenergänzungen und Aktualisierungen weniger zuverlässig.
Konsequenz: Die anwaltliche Sorgfaltspflicht lässt sich nicht an ein Word-Plugin delegieren – so hilfreich und mächtig die Werkzeuge auch sind. Sie sind Arbeitshilfsmittel, nicht Ersatz für die eigene Prüfung. Sie entscheiden, ob Sie eine Änderung annehmen oder ablehnen. Sie tragen die Verantwortung für jedes Wort im fertigen Dokument. Man kann sich nicht damit herausreden, das Word-Plugin habe den Fehler gemacht. Wenn etwas falsch ist, dann haben Sie den Fehler gemacht – via Word-Plugin.
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Bitte beachten Sie auch, dass es bei der Verwendung rechtswissenschaftlicher Literatur der Verlage urheberrechtliche Themen und Limits gibt. Prüfen Sie daher die Lizenzsituation genau. Nicht vergessen: Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen genießen gemäß § 5 Urhebergesetz keinen urheberrechtlichen Schutz, können also verwendet werden.
Der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Mandantendaten hat stets oberste Priorität. Bei Nutzung von KI-Word-Plugins ist sicherzustellen, dass ein angemessenes Schutzniveau für die übermittelten Daten besteht und die berufsrechtlichen Anforderungen zur Wahrung des Anwaltsgeheimnisses vollumfänglich erfüllt werden.