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Fachbeiträge Archive - Anwaltspraxis Magazin

Literaturkritik: Erbrecht 05/2026

In der Rubrik „Literaturkritik: Erbrecht“ stellen wir monatlich eine Auswahl von Neuerscheinungen aus dem Bereich des Erbrechts, des Erbschaftsteuerrechts sowie der erbrechtsrelevanten Nebengebiete vor. In diesem Monat geht es u.a. um die Titel "Darlegen und Beweisen im Zivilprozess" (Saueressig),

Literaturkritik: Erbrecht

von Ulf Schönenberg-Wessel, Rechtsanwalt und Notar, Fachanwalt für Erbrecht, Fachanwalt für Sozialrecht, Geschäftsführer NGTV mbH, Kiel

 

Bartle

Die Anerkennung nicht-traditioneller Status in der EU

2024 Nomos, ISBN 978-3-7560-1552-8, 159 EUR

Die vorliegende Arbeit wurde von der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth im Sommersemester 2023 als Dissertation angenommen. Literatur und Rechtsprechung befinden sich auf dem Stand April 2023. Die Arbeit wurde von Grünberger betreut und gliedert sich in sechs Abschnitte. Ausgehend von einer Einleitung widmet sich Bartle dem Grundsatz der Anerkennung, der Pflicht zur Anerkennung einer gleichgeschlechtlichen Ehe sowie zur Anerkennung einer weiteren rechtlichen Geschlechtsoption. Im fünften Kapitel behandelt Bartle sodann die Anerkennung einer Ehe zwischen Personen mit weiteren Geschlechtsoptionen und Personen gleichen oder anderen Geschlechts. Den Abschluss bilden das Fazit und der Ausblick. Bartle zeigt auf, dass die für die gleichgeschlechtliche Ehe, die weiteren Geschlechtsoptionen und die Ehe von Personen mit weiterer Geschlechtsoption gefundenen Grundsätze ohne Weiteres für weitere Status, wie beispielsweise neue Elternschaftsmodelle, Transsexualität im binären Schema und Privatscheidungen, fruchtbar gemacht werden können. Die Arbeit liefert einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Anerkennung nicht-traditioneller Status in der EU.

 

Degen/Emmert

Elektronischer Rechtsverkehr

beA-Mobil, beSt, KI, OZG, eIDAS 2.0, NIS

23., neu bearb. Aufl. 2025C.H.BECK, ISBN 978-3-406-80227-0, 119 EUR

In seiner 3. Auflage gehört das Handbuch Elektronischer Rechtsverkehr zur Standardliteratur der digitalen Justiz. Das Handbuch gliedert sich in elf Kapitel und befindet sich auf dem Rechtsstand 31.12.2024. Das zehnte Kapitel ist der künstlichen Intelligenz gewidmet. In diesem Kapitel zeigen die Autoren die Grundlagen für die Nutzung künstlicher Intelligenz im Rechtsverkehr auf und geben umfangreiche Praxisempfehlungen für KI-Tools. Die Praxisempfehlungen stellen sowohl die Nutzung von KI mit Anonymisierung als auch ohne Anonymisierung dar und zeigen Chancen sowie Risiken auf. Für die Praxis stets von großem Mehrwert sind die kleinschrittigen und bebilderten Handlungsanweisungen, die es auch dem weniger technikaffinen Leser ermöglichen, das Beste aus der digitalen Infrastruktur herauszuholen.

 

Grüneberg

Bürgerliches Gesetzbuch: BGB

85., neu bearb. Aufl. 2026, C.H.BECK (2026), ISBN 978-3-406-83600-8, 129 EUR

Die Kommentierung des Fünften Buchs des BGB erfolgt auch in der 85. Auflage ausschließlich durch Weidlich, der seit vielen Auflagen als alleiniger Bearbeiter des Erbrechts für eine in sich geschlossene und konsistente Kommentierung sorgt. Weidlich gelingt es in besonderem Maße, die Regelungen des deutschen Erbrechts unter umfassender Auswertung von Rechtsprechung und Literatur punktgenau zu kommentieren und dabei auch maßgebliche eigene Akzente zu setzen. Die Bearbeitung berücksichtigt die bis zur Drucklegung ergangene Rechtsprechung, wertet diese sorgfältig aus und stellt sie in den Gesamtkontext des Normgefüges. Die Kommentierung wird von Gerichten aller Instanzen – einschließlich des BGH – regelmäßig herangezogen und zitiert, was ihre herausragende Praxisrelevanz unterstreicht. Für Rechtsanwälte für Erbrecht stellt die Kommentierung von Weidlich eine unverzichtbare Arbeitsgrundlage dar. Der Grüneberg bleibt, auch wenn er bisher keinen Eingang in Beck-Online gefunden hat, der Ausgangspunkt jeder juristischen Recherche und damit unangefochten das Standardwerk zivilrechtlicher Kommentarliteratur.

 

Herbst/Luhn-Loch/Gräf/Nohr

Formulierungshilfen für die sozialrechtliche Praxis

SGB II | SGB XII | Verfahren

3. Aufl. 2025, Nomos, ISBN 978-3-7560-1719-5, 59 EUR

Immer wieder wird der im Erbrecht tätige Rechtsanwalt mit Fragen des Sozialrechts in Berührung kommen. Die nunmehr in 3. Auflage erschienenen „Formulierungshilfen für die sozialrechtliche Praxis“ bieten hierfür eine wertvolle Unterstützung. Dies betrifft insbesondere das SGB II und das SGB XII, sei es, dass der Mandant selbst im Leistungsbezug ist, oder sei es, dass eine Vermögensnachfolge unter Berücksichtigung etwaiger sozialrechtlicher Ansprüche zu gestalten ist. Sozialrechtliche Literatur steht stets einem sich wandelnden Regelungsumfeld gegenüber, sodass der Leser die maßgeblichen Normen mit dem aktuellen Rechtsstand abgleichen muss. Für den Mehrwert der Formulierungshilfen ist dies jedoch unproblematisch, da der Leser hier schnell auf praxiserprobte und den Bedürfnissen der Mandanten angepasste Formulierungen stößt, die eine effektive Begleitung und Vertretung im sozialrechtlichen Mandat ermöglichen. Für die erbrechtliche Praxis von besonderer Bedeutung dürften darüber hinaus die Ausführungen ab Rn 1059 sein, da diese sich mit dem selbstständigen Erbenregress auseinandersetzen und auch hier ein gutes Klagemuster enthalten. Insgesamt handelt es sich bei den Formulierungshilfen um ein sinnvolles Werkzeug, das in einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis steht.

 

Horn/Kroiß

Testamentsauslegung

Strategien bei unklaren letztwilligen Verfügungen

3. Aufl. 2026C.H.BECK, ISBN 978-3-406-83542-1, 129 EUR

Die 3. Auflage des Handbuchs „Testamentsauslegung“ ist im Verlag C.H.Beck erschienen. Die Bearbeiter haben 269 aktuelle Urteile in das Handbuch eingearbeitet und damit die Grundlage für eine fundierte Auslegung unklarer letztwilliger Verfügungen nochmals deutlich verbreitert. Auch wenn der individuelle Erblasserwille stets der Maßstab der Testamentsauslegung ist, so bietet die strukturierte und an Einzelformulierungen orientierte Darstellung die Grundlage für eine fundierte Argumentation. Gleichzeitig schärft die Zusammenstellung der verschiedenen Auslegungsansätze den Blick für das Verständnis letztwilliger Verfügungen. Neu in der 3. Auflage sind die Kapitel zur Abgrenzung zur Sittenwidrigkeit und zur Reichweite von Testamentswiderrufen. Die Autoren leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Testamentsauslegung, ohne dabei etwaige steuerliche Aspekte rund um die Auslegung aus dem Blick zu verlieren.

 

Pischel/Kopp/Brouwer

Compliance in Vereinen und Verbänden

2. Aufl. 2024, C.H.BECK, ISBN 978-3-406-78439-2, 149 EUR

Das Erbschaftsfundraising gewinnt in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Compliance-Strukturen werden dabei nicht nur für Spender und Erblasser immer relevanter, sondern auch im Hinblick auf die steuerlichen Anforderungen an die Anerkennung gemeinnütziger Zwecke (§§ 51 ff. AO) sowie die zunehmenden Transparenzpflichten, etwa im Rahmen des Transparenzregisters. Umso wichtiger dürfte es sein, die entsprechenden Organisationen in Compliance-Hinsicht auf dem aktuellen Stand zu halten und sie dadurch für Spender attraktiv zu gestalten. Das Handbuch „Compliance in Vereinen und Verbänden“ rückt die zunehmend gestiegenen Anforderungen an die im Verkehr erforderliche Sorgfalt der Compliance-Pflicht in den Fokus. Der Leser profitiert von der oft langjährigen Praxiserfahrung der Bearbeiter, die ihre Ausführungen mit einer Vielzahl von Praxistipps versehen haben. Das Handbuch bietet eine exzellente Grundlage zur Beratung von Vereinen und Verbänden, insbesondere auch im Kontext des gemeinnützigen Vererbens. Dies umfasst insbesondere Fallgestaltungen von testamentarischen Zuwendungen und Vermächtnissen an gemeinnützige Organisationen, bei denen Compliance-Defizite den Status der Steuerbegünstigung und damit die Attraktivität der Organisation als Begünstigte gefährden können. Dank der klaren Struktur und Übersichtlichkeit der Ausführungen sowie des detaillierten Stichwortverzeichnisses eignet sich das Handbuch in besonderem Maße für alle Berater, die bei der gemeinnützigen Nachfolgeplanung unterstützen.

 

Presse

Leistungsfähigkeit und Leistungspotenzial des Adoptionsrechts

Verfahrens- und materiellrechtliche Reformansätze in verfassungsrechtlicher und rechtsvergleichender Perspektive

2026, Nomos, ISBN 978-3-7560-3727-8, 99 EUR

Die vorliegende Arbeit wurde im Sommersemester 2024 an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel als Dissertation angenommen. Die Arbeit wurde von Lettmaier betreut und gliedert sich in fünf Kapitel. Ausgehend von einer Einführung in die Problematik zeigt Presse die Reformmöglichkeiten auf der Tatbestandsseite der Adoption ebenso wie auf der Rechtsfolgenseite der Adoption auf. Im 4. Kapitel widmet sie sich der verfassungsrechtlichen Relevanz halboffener Adoptionen und der Reform von § 1748 BGB. Die Diskussion um § 1748 BGB und die Voraussetzungen der Einwilligungsersetzung gehört zu den zentralen Fragestellungen des geltenden Adoptionsrechts und wird von Presse überzeugend aufgearbeitet. Das 5. Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen. Presse gelingt es mit ihrer Arbeit, die Hintergründe der aktuellen Adoptionspraxis und das geltende Recht einer kritischen Überprüfung zu unterziehen und unter Heranziehung ausländischen Rechts darzustellen, welche Maßnahmen zur Schaffung eines zeitgemäßen und am Kindeswohl ausgerichteten Adoptionsrechts ergriffen werden können. Die Arbeit überzeugt nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich in besonderem Maße. Sie liefert einen wichtigen Beitrag zum Verständnis und zur Fortentwicklung des deutschen Adoptionsrechts – insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung offener und halboffener Adoptionsformen – und damit zu einem zeitgemäßen Familienbegriff.

 

Saueressig

Darlegen und Beweisen im Zivilprozess

5. Aufl. 2024, Deutscher AnwaltVerlag, ISBN 978-3-8240-1722-5, 54 EUR

Die sachgerechte Beratung der Mandantin sowie die effektive Führung des gerichtlichen Verfahrens setzt voraus, dass der Rechtsanwalt die Grundlagen des Darlegens und Beweisens im Zivilprozess sicher beherrscht. Saueressig legt mit seiner 5. Auflage des Handbuchs „Darlegen und Beweisen im Zivilprozess“ ein praxiserprobtes und praxistaugliches Werk vor. Es gliedert sich in sechs Kapitel: Im 1. Kapitel widmet sich Saueressig der mündlichen Verhandlung unter Antragstellung. Das 2. Kapitel widmet sich ausführlich der Darlegung und Substantiierungslast, während sich die Kapitel 3 und 4 mit der Erledigung des Rechtsstreits und der Zurückweisung verspäteten Vorbringens beschäftigen. Das 5. Kapitel wendet sich der Ermittlung des Sachverhalts zu. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Ausführungen zur Darlegungs- und Beweislast, die als Rückgrat des Zivilprozesses den Ausgang eines Rechtsstreits maßgeblich bestimmt. Dieses Kapitel stellt den Schwerpunkt des Handbuchs dar und erfasst neben einer dezidierten Darstellung der Beweismittel im Zivilprozess auch umfangreiche Ausführungen zur Beweislast. Den Abschluss bildet das 6. Kapitel zur Berufung und Berufungsbegründung. Gerade die praxisrelevanten Ausführungen zur Zurückweisung verspäteten Vorbringens nach §§ 296, 530, 531 ZPO stellen für den Praktiker einen erheblichen Mehrwert dar. Das Handbuch wurde umfassend aktualisiert, sodass sich der Blick auch für den „alten Hasen“ lohnt, da in jedem Kapitel etwas Neues für die eigene Prozessführung zu entdecken ist.


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